Moderne Raumdramaturgie unter Fachwerkgebälk
Ausbau einer zweigeschossigen Dachgeschosswohnung im Fachwerkhaus
Die Idee
Der Ausbau des Dachgeschosses zu einer eigenständigen, großzügigen – rund 350 m² großen – Wohnung erforderte präzises räumliches Denken und ein tiefes Verständnis der bestehenden Struktur. Ziel war es, den Charakter des Hauses zu bewahren und daraus eine zeitgemäße, klare und atmosphärisch dichte Wohnarchitektur zu entwickeln.
Die Fachwerkkonstruktion bildete dabei den konstruktiven Rahmen: unregelmäßige Spannweiten, geneigte Dachflächen und sichtbare Tragelemente bestimmten den Entwurfsprozess. Diese Bedingungen wurden nicht als Einschränkung, sondern als räumliches Potenzial verstanden – als Ausgangspunkt für ein neues, vertikal und horizontal verbundenes Raumkonzept.
Die räumliche Idee folgt einer offenen Grunddisposition mit klar definierten Funktionszonen. Kochen, Essen und Wohnen bilden ein zusammenhängendes Raumkontinuum, das über eine großzügige Treppenöffnung mit der oberen Ebene verbunden ist.
Die Treppe fungiert als zentrales räumliches Gelenk, um das sich Bewegung, Blickbeziehungen und Lichtführung organisieren. Die Gliederung entsteht nicht durch Wände, sondern durch Übergänge, Höhenstaffelungen und Materialwechsel – ein fließender Grundriss, der dennoch Orientierung und Ruhe bietet.
Ein besonderer Akzent ist die verglaste Sauna, die als vertikales Bindeglied zwischen den Geschossen fungiert und den architektonischen Anspruch des Projekts verdeutlicht: räumliche Großzügigkeit in Kombination mit technischer Präzision.
Die Materialwahl folgt dem Prinzip der reduzierten, sinnlichen Haptik: geöltes Holz, dunkler Naturstein, satiniertes Glas und feine Metalloberflächen erzeugen eine subtile Tiefe, ohne dominant zu wirken.
Das Lichtkonzept wurde von Beginn an integraler Bestandteil des Entwurfs. Lineare Profile und punktuelle Einbauleuchten inszenieren die Dachgeometrie, betonen Materialübergänge und unterstützen die Zonierung des Grundrisses. So entsteht ein Wechselspiel aus klarer Struktur und wohnlicher Atmosphäre.
Die größte Herausforderung lag in der Integration moderner Haustechnik und Dämmung innerhalb der gegebenen Geometrie. Lüftung, Akustik und Klimakomfort wurden so abgestimmt, dass sie den offenen Charakter des Raums nicht beeinträchtigen.
Ein Smart-Home-System sowie eine raumakustisch abgestimmte Audiointegration sichern zeitgemäßen Komfort und unterstützen die ruhige, kontrollierte Raumwirkung.
Alle Einbauten – von der Küche über Möbel und Leuchten bis hin zu raumhohen Stauraumlösungen – wurden individuell entworfen und tischlerseitig gefertigt. Der zentrale Küchentresen bildet das kommunikative Herz der Wohnung: ein skulpturales Element, das Funktionalität und handwerkliche Präzision verbindet.
Die Kombination hochwertiger Materialien schafft ein haptisches Spannungsfeld zwischen Wärme und Klarheit – eine räumliche Identität, die aus dem Material selbst spricht, nicht aus Dekoration.
Der Ausbau dieser Dachgeschosswohnung versteht sich als präzise Weiterentwicklung des Bestehenden. Durch klare räumliche Organisation, kontrollierte Materialwahl und integrale technische Planung entstand eine Wohnlandschaft, die Offenheit, Ruhe und handwerkliche Qualität vereint – ein Raum, der seine Struktur ernst nimmt und sie zugleich neu interpretiert.
Unser Versprechen
Umfang
- Entwurf des Raumkonzeptes und der innenarchitektonischen Gestaltung für das zweigeschossige Obergeschoss im Fachwerkhaus
- Erdgeschoss: Eingangsbereich mit Garderobe
- Obergeschoss: Gästbad, Küche, Wohn- und Essbereich, Hauswirtschaftsraum, Kamin
- Dachgeschoss: Kinderzimmer, Schlafzimmer, Badezimmer
- Sauna, Treppe und Treppenhaus
- Lichtkonzept durch Antje Kröplin ( Fa. Lichtja – Licht und mehr GmbH )
- Audiokonzept und Umsetzung durch Thomas Carstensen (Fa. Inklang )
- Leistungsphasen: Entwurf, Ausführungsplanung Innenausbau und Bäder, künstlerische Oberleitung
Fakten
- Bauvorhaben: Innenarchitektur einer Wohnung in einem Fachwerkhaus
- Baujahr: 2017/2018
- Fläche: 350 qm
Impressionen